liebesbriefe.

gerade hatte ich ein langes telefonat mit einer guten freundin. es ging um liebesdinge. die achterbahn der gefühle, die am anfang dieser dinge stehen. wenn da dieser völlig neue mensch in dein leben tritt. ein mensch, den du vielleicht vorher gar nicht kanntest und dem du – aus welchem grund auch immer – nun einen platz in deinem leben einräumst. und die fragen, die damit einhergehen. ob dieser mensch diesen platz überhaupt einnehmen will. es wert ist, platz zu machen. warum du diese entscheidung triffst. wie es weitergehen wird. was da in dir vorgeht. diese völlig neue welt, die sich mit einem neuen menschen im leben eröffnet. weil da universen aufeinander treffen. ungeahnte weiten. gedanken, gefühle. nachvollziehbare und solche, die vorher undenkbar waren. ängste. vor veränderung. ablehnung. vor schmerz. und gleichzeitig diese absoluten glücksgefühle, die das auslösen kann. wenn da ein völlig neuer mensch mit all‘ seinen geschichten und erfahrungen und gedanken plötzlich in dein leben tritt. und alles auf den kopf stellt. wie toll das ist. so ungewohnt und spannend. und gleichzeitig die kraft, die das kostet. sich einlassen. sich öffnen. zulassen. alles wissen wollen, am besten auf einmal. in einer nacht bis fünf wach liegen und reden und lachen. und am nächsten tag mit zu wenig schlaf zur arbeit und „hab ich da vielleicht zu viel erzählt?“. neue gerüche. das gefühl, irgendwie imponieren zu wollen. aber eigentlich gar nicht. das alles pur. roh. neue empfindungen an sich selbst entdecken. mit anderen augen die gleichen wege betrachten. gemeinsamkeiten finden. an einem menschen, der eigentlich völlig fremd ist. zweifeln. starren und sich treffende blicke. suchende hände. und immer wieder der wunsch, gedanken lesen zu können. schutzvorkehrungen. mäuerchen bauen, um sie im nächsten direkt wieder mit gewalt nieder zu reißen. ausgeliefert sein an diesen menschen, diese gefühle, diese neue welt in sich. und es genießen. ich fand das nie gut, als ich da mittendrin war. ich mochte weder die highs, noch die lows so gern. aber jetzt, wo das nicht mehr ganz so ist und mir andere davon erzählen – da erinner ich mich gern. und ich wünschte, ich hätte mehr davon festgehalten. um davon jetzt lesen und mich genauer erinnern zu können. es sind viele erinnerungsblitze hängen geblieben. aber ich mag wörter. ich wünschte, ich hätte mehr liebesbriefe geschrieben. vielleicht fange ich jetzt damit an.

Advertisements

über das nicht-schreiben-können schreiben.

schon seit meiner kindheit habe ich geschrieben. erst waren es kurzgeschichten, zwischenzeitlich gedichte, irgendwann blogposts und manchmal auch einfach nur tagebuch. aber da waren immer irgendwelche gedanken in meinem kopf, die ich wertvoll genug fand, um sie auf papier zu bringen. und manchmal traute ich mich sogar, sie anderen menschen zu zeigen. später immer mehr. vor allem fremdem publikum auf einem anonymen blog im internet. da hatte ich nichts zu verlieren. das innerste mit fremden teilen fiel mir immer leichter. bei näheren freundinnen oder der familie wollte ich lieber erklären können, statt sie einfach mit aneinander gereihten worten zu verwirren und vielleicht sogar zu schocken. fremde waren mir immer egal und irgendwie fand sich ja dann doch immer ein mensch, der verstand. oder zumindest zu verstehen glaubte.

dabei sind meine texte über die zeit immer mehr assoziationsketten geworden. keine durchdachten geschichten, keine storylines oder gar artikel. bei mir kam alles immer irgendwie aus dem bauch. ich schrieb, was ich dachte. zu irgendwelchen themen. in den meisten fällen eben persönliches. weil sich bei mir schon immer viele meinungen, gedanken und gefühle angesammelt haben. und irgendwo mussten die ja schließlich hin. in meinem bauch taten sie mir nicht gut, an die köpfe anderer menschen wollte ich sie meist nicht schmeißen. also dann doch lieber in’s moleskine oder direkt raus an’s internet.

damit habe ich mich auch eine zeit lang ganz schön besonders gefühlt. weil ich sonst niemanden kannte, der das machte. einen blog schreiben. oder überhaupt, so viel über sich selbst auf’s papier bringen. und das dann auch noch einigermaßen ansprechend formulieren. niemand in meinem freundes-, bekannten-, oder familienkreis schrieb, wenn mensch nicht musste. und natürlich fand ich das toll, dass ich da irgendwas besonderes machte.

irgendwann erweiterte sich meine reichweite. ich stellte fest, da gibt es noch mehr von, da draußen. das hat mich aber erst einmal gar nicht verunsichert, ich fand das sogar toll. es bestärkte mich. anscheinend musste es ja dann auch menschen geben, die das interessiert. und die gab es – einige davon. und ich schrieb weiter, manche hatten interesse daran und ich erst recht. das schreiben war über lange zeit mein ventil. aber dann passierte irgendwann irgendetwas. und ich kann es gar nicht benennen. leider. die assoziationsketten wurden gebrochen. meine texte wurden kürzer, meine worte brüchiger. die zeitabstände zwischen geschriebenem länger. immer öfter postete ich auf meinem blog lieber die gedanken anderer, in formen von zitaten, songtexten, videos oder fotos. obwohl immer noch viel, vielleicht sogar mehr, in mir vorging, wurde ich stiller. und auch wenn ich nicht alle schlechten dinge meines lebens auf sie schieben will, passierte das alles, als es mit meiner krankheit schlimmer wurde. im gegensatz zu der üblichen, medialen darstellung von künstlern machten mich meine depressiven phasen keineswegs kreativer. ich litt darunter.* und manchmal zwang ich mich zu schreiben, obwohl ich vielleicht gerade gar nichts zu sagen hatte. versuchte auszudrücken, was ich selber gar nicht verstand. und irgendwann gab ich auf. versuchte es einfach nicht mehr.

irgendwann wurde meine verfassung besser. aber als ich dann wieder schreiben wollte, vielleicht auch gekonnt hätte – hatte ich das gefühl, das „gewisse etwas“ verloren zu haben. das gefühl für assoziationen und worte. für rythmen und melodien. und irgendwie klang alles plump. die leichtigkeit, die mir worte immer geschenkt hatten, war verloren. und ich habe sie bisher nicht wiedergefunden. trotz allem habe ich mein blog nie zu hundert prozent aufgegeben. lange zeit hang ich daran, wie an einem längst zerschlissenen plüschtier. auch das internet blieb mir immer erhalten, in all‘ seinen facetten. aber ich bin mit der zeit eher zum konsument geworden. ich produziere selbst nur noch bruchteilhaft. oft schreibe ich tweets. und manchmal strömt sogar ein ganzer text aus mir heraus. vielleicht auch, weil sich da doch was aufgestaut hat. aber die leichtigkeit fehlt weiterhin. und manchmal macht mir das ganz schreckliche angst. weil ich beführchte, das einzige talent zu verlieren, das ich je an mir selbst feststellen konnte.

dazu kommt, dass meine reichweite und auch mein blickfeld mit der zeit immer größer geworden sind. auch das publikum hat sich verändert und sogar gesichter bekommen. teilweise durch sehr glückliche umstände, in einigen fällen aber auch durch unglückliche zufälle. mittlerweile kenne ich so viele menschen innerhalb und außerhalb des internets, die irre kreativ sind. ob mit worten oder anderen materialien. mir imponiert das sehr. aber manchmal schüchtert es mich auch ein. und ich fühle mich wieder klein und zurück in kreativen kinderschuhen. als machte ich das ganze zum allerersten mal. dabei habe ich keine probleme damit, das zuzugeben. ehrlich zu sein. vielleicht sogar manchmal zu ehrlich. ich gebe gerne preis, aus welchem grund auch immer. aber zu meiner eigenen form dafür habe ich noch nicht zurückgefunden. und vielleicht nehme ich mir manchmal auch zu viel vor. denn mittlerweile gibt es so viele themen, die ich gerne behandeln möchte. außerhalb meines eigenen seelenlebens. die mir wichtig geworden sind und für die assoziationsketten längst nicht mehr ausreichen. aber irgendwo muss ich halt auch einfach mal anfangen. aufhören, still zu sein. und meinen gedanken wieder freien lauf lassen. weil ich immer noch viele davon in mir trage. und glaube, einige davon auch ausdrücken zu wollen. das „wo?“ ist mit diesem, neuen blog geklärt. jetzt muss ich also nur noch herausfinden, wie.

* mich würde interessieren, ob andere mit diesem phänomen auch erfahrung haben. mit dem verlust von kreativität (oder wie mensch das auch immer ausdrücken will), während wirklich schlimmen zeiten. über geteilte gedanken dazu würde ich mich freuen – entweder in den kommentaren oder gerne auch per mail: maedchentraeume(at)gmx.net

music is not my life.

im gegensatz zu vielen anderen menschen dieser welt laufe ich nicht jeden tag mit kopfhörern herum. ich nutze nicht jede minute, um auf meinem music-device den neuesten, heißesten scheiß zu hören. vor ein paar jahren war das wohl noch anders – vor allem, weil ich meine eigenen gedanken nicht hören wollte. und musik die einzige möglichkeit war, sie zu übertönen. damals sah man mich rund um die uhr kopfhörer tragen. aber mittlerweile würde ich der musik-to-go immer twitter vorziehen. oder ein buch. oder meine eigenen gedanken. oder gespräche in der ubahn. weil es mich mittlerweile wahnsinnig macht, nicht die geräusche um mich herum wahrzunehmen, wenn ich mich außerhalb des hauses bewege. nicht direkt reagieren zu können, wenn um mich herum etwas passiert.

ich habe nie ein musikinstrument wirklich spielen gelernt. angefangen habe ich mit gitarre und klavier. aber bei beidem machten mir fehlende motivation, das unverständnis über noten und langweilige lehrer einen strich durch die rechnung. manchmal bereue ich das, weil ich menschen bewundere, die kreativ mit verschiedensten instrumenten und tönen umgehen können. aber ich hatte dafür nie ein wirkliches gefühl. gesungen habe ich immer gerne, manche zeit sogar in chören. aber auch das mangelte immer an der fehlenden lust, mich intensiv mit noten, regeln und übungen zu beschäftigen. und vor allem auch daran, dass ich mich aufgrund dieser abwesheinheit handfester erfahrung niemals wieder zu einem vorsingen trauen würde – auch wenn ich manchmal davon träume. dafür singe ich immer noch gern lauthals zu meinen lieblingssongs mit. vielleicht ist das auch mein problem mit den kopfhörern und musikhören in öffentlichen räumen.

aber selbst zuhause läuft bei mir nur sehr selten musik. dafür muss ich wirklich in der stimmung sein. wenn mir zum beispiel ein lied plötzlich in den kopf kommt und ich es dann dringend hören will. oder zum putzen, kochen oder aufräumen, um mich irgendwie zu motivieren. aber so oft passiert das dann auch nicht. und manchmal geht mir im hintergrund dudelnde musik auch auf die nerven. dabei ist es wirklich nicht so, dass ich musik nicht mag. ich habe diesbezüglich sogar einen ganz guten geschmack – und das sage ich ohne jegliche bescheidenheit. ich mag konzerte, war schon auf zahlreichen festivals und habe viele lieblingsbands und -künstler, die ich sehr schätze. ich weiß sehr genau, was ich mag oder nicht mag. was ich mag folgt dabei keinem genauen muster. es ist ein gefühl. mir gefällt, was mir gefällt. unabhängig von genres und noten. die könnte ich schließlich eh nicht lesen. aber musik hat schon lang nicht mehr so einen hohen stellenwert in meinem leben.

noch vor ein paar jahren konnte ich so ziemlich jedes lied, das im radio lief, mitsingen. weil auf der arbeit immer das radio dudelte. seit ein paar jahren ist selbst das nicht mehr der fall, da die gema ein arschloch sein kann. das talent, mir songtexte zu merken (im gegensatz zu jedem anderen nützlichen wissen), besitze ich aber weiterhin und ich habe damit schon einige menschen beeindruckt und erschreckt.

viele behaupten, ihnen wäre musik so wichtig und deshalb hörten sie diese 24/7. das habe ich schon oft gehört. ich aber glaube, dass das unendliche hören von musik nicht unbedingt einen musikliebhaber ausmacht. weil ich nicht davon ausgehe, dass das unendliche hören sie unbedingt besonders macht. würde ich mich selbst als musikliebhaber bezcichnen? ich denke schon. aber eben auch nur mit der prämisse, dass ich mich dafür in der richtigen stimmung befinde. sie nicht auschließlich als hintergrundgeräusch fungiert. mit stille komme ich mittlerweile sonst sehr gut klar. ich habe sie akzeptier und genieße sie. und auf musik, vor allem die, die ich liebe – möchte ich mich konzentrieren können. mich ihr widmen. indem ich entweder tanze oder laut mitsinge. mich in ihr verliere. und das kann ich so schlecht im zug oder auf dem weg zur ubahn-haltestelle. denn immer, wenn ich mit kopfhörern am bahnsteig stehe und zu meiner musik tanze, gucken die leute so komisch.

ich bin studienabbrecherin.

wirklich gerne habe ich nie studiert. studieren war für mich immer nur zweite wahl. weil ich mit viel glück mein abi fast aus versehen machte. eigentlich wollte ich nämlich schon nach dem realschul-abschluss arbeiten gehen. geld verdienen. aber dann kam da so ein auslandsjahr dazwischen und vor allem das privileg, dafür ein stipendium bekommen zu haben. und meine guten noten, die mir den übergang in die oberstufe ermöglichten. wäre ja blöd gewesen, das nicht auszunutzen. und eigentlich wollte ich spätestens dann, nach dem abitur, endlich arbeiten. und bei meinen eltern ausziehen! aber ich fand keine wirklich passende ausbildung. weil ich auch irgendwie noch nicht so genau wusste, wohin eigentlich mit mir. „irgendwas mit medien“. studium war die letzte option. und irgendwann realität.

weil mein schnitt aufgrund des lustfreien abiturs nicht gut genug für „irgendwas mit medien“ war, studierte ich also literaturwissenschaften und geschichte – auf bachelor. als erste aus meiner familie fand ich mich an einer universität wieder. eine völlig neue realität. ein anderes universum. und ich fand es spannend. und ich war gespannt. und meine fächer fand ich, auch wenn sie nicht meine erste wahl waren, toll. ich fand die themen interessant, wenn auch oft überwältigend. ich fand meine dozentinnen sympathisch, wenn auch oft überfordernd. aber wirklich wohl gefühlt habe ich mich in der rolle der studentin nie. irgendwie fühlte ich mich doch immer wie ein fremdkörper. nicht willkommen. ein bisschen wie alice im wunderland. in dieser welt waren alle so klug und gebildet, sie kannten all‘ diese theorien und sie lasen bücher, für die ich mich auch immer interessierte, aber die ich nie wirklich zu verstehen glaubte. ganz oft fühlte ich mich einfach nur klein und dumm. als hätte ich einfach nur das glück gehabt, mal in dieses universitäts-universum hineinschnuppern zu können – aber ohne meinen eigenen platz dort.

nebenbei arbeitete ich immer. zum einen, um mir die studiengebühren leisten zu können. zum anderen teil auch ehrenamtlich im uniradio, weil ich dort freunde fand, einen anker. etwas, dass mich an diesem fremden ort hielt. auf der zielgeraden zum abschluss außerhalb der regelstudienzeit begegneten mir immer wieder momente, in denen ich völlig überfordert war, ich mich gestresst, krank und hilflos fühlte. aber ich schaffte meinen bachelor. weil meine bachelor-arbeit mir im gegensatz zum restlichen studium zum ersten mal die möglichkeit bot, mich in ein thema, das mich zu hundert prozent interessierte, tief einzuarbeiten. viele andere themen konnten aufgrund von deadlines, zeitmanagement-problemen und übervollem stundenplan ja immer nur angerissen werden. ich absolvierte ein studium, das auf oberflächlichkeiten beruhte.

einige von euch werden wissen, wie schwer ein einstieg in die medienbranche ist – vor allem, wenn man nicht unbedingt beim lokalradio arbeiten möchte. und so schaffte ich diesen schritt auch nach dem bachelor nicht. bewerbungen waren erfolglos, vitamin b nicht vorhanden. und so, denn wie könnte es anders sein? studierte ich weiter. dieses mal einen master-studiengang mit direktem bezug zu meinem damaligen berufswunsch. ich beschloss, das studium so schnell wie möglich durchzuziehen, keine emotionale bindung zur stadt, zur uni, zu den kommilitoninnen aufzubauen. und so schnell wie möglich wieder zu flüchten. leider klappte das so nicht.

während des masters ging meine langjährige beziehung auf , für mich, sehr schmerzvolle art und weise zu ende. meine (mittlerweile als depressive episoden identifizierten) „schlechten phasen“ wurden häufiger, länger. meine (mittlerweile als panikattacken identifizierten) „schlimmen momente“ wurden zur regel. ich war krank, unglücklich und es brauchte sehr lange, bis ich feststellte, dass dies unter anderem am studium lag. erst eine therapie machte mir deutlich, dass mir die uni, die unibibliothek, die seminarräume, das hausarbeiten-schreiben… dass mir das alles angst machte. weil ich mich fehl am platz und unzureichend fühlte. weil ich zwar sehr viele privilegien genieße, aber leider nicht das des akademischen hintergrundes. und mich das mehr zermürbte, als ich wahrhaben wollte.

die therapie half – ich lernte, mit meinen panikattacken umzugehen. meine depression zu erkennen und zu behandeln. ich schrieb sogar eine hausarbeit – wenn auch außerhalb der universitären räumlichkeiten. aber ich fand nicht wirklich in den uni-alltag zurück. vielleicht, weil ich ihn nie wirklich kennengelernt hatte. stattdessen konzentrierte ich mich immer weiter auf meinen job, den ich kurz nach beginn des master-studiums gefunden hatte. dieser zeigte mir neue perspektiven, eröffnete mir neue themen und ich erkannte ganz neue interessen in mir. er war immer meine stütze, mein halt gewesen. für meinen job war es nie ein problem gewesen, aufzustehen (denn hier durfte ich auch mal zu spät kommen, wenn es gerade ganz schlimm war). auch wenn ich nicht viel zu meinem job selbst sagen will – es ist einer in der sozialen branche. ich arbeite mit menschen, statt für medien. und darüber bin ich so froh. ich kann mir mittlerweile nichts anderes mehr vorstellen.

trotzdem war der abbruch meines studiums nie eine option für mich. vielleicht, weil es immer „aufgeben“ für mich bedeutet hatte. etwas nicht zu ende zu bringen. nicht „durchziehen“. für mich war immer klar: du machst das halt irgendwann. irgendwie. wird schon. aber es wurde nicht. mittlerweile hatte ich stattdessen schon magenschmerzen, wenn ich nur an der uni vorbeifuhr. gespräche über hausarbeiten, seminare und semesterbeiträge stießen mir auf. ich zog mich zurück von den zwei kommilitoninnen, die ich dann doch während des studiums liebgewonnen hatte. einfach weil ich das thema universität immer mehr vermied. an guten tagen existierte mein studium gar nicht mehr für mich. an schlechten führte der gedanke an noch nicht abgeholte scheine wieder zu panikattacken. die immer wieder von verwandten und vor allem eltern aufkommenden fragen nach dem „wie lange noch?“ wurden zu spießrutenläufen. und schnell wieder verdrängt. aber glücklich und zufrieden wurde ich so nie. und das, obwohl ich es in anderen bereichen meines lebens längst hätte sein können.

und dann kam er – der 14. oktober 2013. ich saß in der ubahn auf dem weg zur arbeit und war umzingelt von studentinnen. schon vorher hatte ich auf twitter vom beginn des neuen semesters gelesen und es versucht, so weit wie möglich von mir fernzuhalten. ich hatte, wie auch in den letzten semestern, meine beiträge gezahlt und wollte sonst nichts davon hören. aber die ubahnfahrt brach meinen schutzwall. meine versagens-ängste waren alle wieder mit einem schlag zurück. ich war die langzeitstudentin, über die alle immer ihre witzchen reißen. ich hatte es nicht geschafft. und vielleicht würde ich das auch nie. und hier, auf dem weg zum zug, kam sie zum ersten mal. die frage: „was ist das schlimmste, was passieren kann?“. was war das schlimmste, was passieren könnte, wenn ich es nicht schaffte? wenn ich vielleicht sogar aktiv für mich entschied, es nicht mehr versuchen zu wollen? antworten gab es, aber nicht viele. kein master-abschluss, (möglicherweise) schlechtere berufschancen in der zukunft, zeit verschwendet.  zum ersten mal dachte ich: ist es das wirklich wert? und antwortete mit: nein.

zum ersten mal war ich nicht mehr bereit, meine (psychische) gesundheit für einen universitären abschluss auf’s spiel zu setzen. ich war nicht mehr bereit, meine sonstigen erfolge immer nur im schatten des nicht abgeschlossenen studiums zu betrachten. ich akzeptierte die lähmung in sämtlichen anderen bereichen meines lebens nicht mehr. und ich beschloss, mein studium abzubrechen. während ich am bahnsteig auf dem weg zu meinem tollen job stand, telefonierte ich mit meinem wunderbaren freund, der mich unterstützte und ich beschloss, studienabbrecherin zu werden.

seitdem hatte ich für mich noch einige hindernisse zu überwinden – mit meiner arbeitgeberin sprechen, meine freundinnen informieren und vor allem: den entschluss meinen eltern beichten. diese waren, wenn auch unfreiweillig, immer ein großer teil des drucks gewesen, den ich mir selbst auferlegt hatte. aber auch sie reagierten – wie alle anderen großartigen menschen meines engeren umfeldes – mit verständnis. und so rollten innerhalb einer woche zahlreiche, schwere steine von meinem herzen. mittlerweile steht mein beschluss seit einigen wochen. und ich habe ihn nicht bereut. bewusst entschloss ich mich dazu, mich erst einmal nicht zu exmatrikulieren – um eine rückkehr, ein umentscheiden möglich zu machen. aber das wäre unnötig gewesen. nie habe ich mich entspannter und erleichterter gefühlt. im gegensatz zu vorher kann ich mich auf jahresabschnitte, wie weihnachten, freuen. weil sie nicht mehr bedeuten, dass ich schon wieder ein halbes jahr nichts geschafft habe. stattdessen bedeuten sie, dass mein leben weiter geht. dass ich wieder vorfreude haben darf. dass ich meine tolle beziehung, meinen job, meine freundinnenschaften wieder genießen darf. ohne permanentes, schlechtes gewissen. es fühlt sich nicht wie aufgeben an. viel mehr ist es eine aktive entscheidung. es ist ein weiterer schritt in meinem leben.

nein, ich muss nicht mehr überlegen oder mir ein hintertürchen offen halten. denn mein entscheidung steht fest: ich bin studienabbrecherin.

alles wieder neu.

ja, ich bin umgezogen. ich habe mir ein neues heim im alten internet gesucht. aus einer laune und einem gefühl heraus, das sich heute endlich manifestierte. schon lange habe ich mich in meinem alten blog nicht mehr wohl gefühlt. warum kann ich gar nicht so genau sagen, obwohl es einige anhaltspunkte gibt. dort ist viel passiert, dort hab ich so viele gedanken, tage, gefühle, träume und erinnerungen verarbeitet. und irgendwie fühlte es sich abgenutzt an. aber nicht im guten sinne. denn eigentlich mag ich altes mit geschichte. aber es war eher verbraucht. ich hatte mich satt gesehen. es war viel zu voll. ich hatte zu viele ungebetene gäste. und angesammelten krempel. ich will aussortieren, frisch streichen, neu einrichten, einen neuen boden verlegen. und neu anfangen. let’s go.