trigger.

heute ist wieder einer der verdammten tage,
die ich kaum ertrage und mich ständig selber frage
warum mich all‘ diese gefühle plagen, die ich nicht kannte
oder nur vom hören-sagen

fanta 4 – sie ist weg.

[TW: emotionally abusive relationships]

kommt heute wer in’s büro und sieht aus wie du. frisur, brille, kleidungsstil. sogar ähnliche größe und anmuten und hinterher sehe ich – er raucht auch so ähnlich wie du. mit leicht zittriger hand und dieser unsicherheit, mit der er auch seine sätze ganz vorsichtig und bedacht formuliert und mich mit jedem wort mehr an dich erinnert. und stell‘ dir vor, er spielt auch theater wie du und studiert philosophie – wobei du dein interesse für philosophie ja immer nur privat zum ausdruck gebracht hast.er trägt auch ähnliche klamotten und überhaupt hat mich sein erscheinen, heute bei uns auf der arbeit, einfach nur völlig aus der fassung gebracht.

ich hab dich jetzt seit knapp zwei jahren nicht mehr gesehen – das letzte mal auch nur unfreiwillig und sekundenlang, an der ubahn. seitdem laufe ich immer ängstlich durch die gegend und sehe dich überall – fürchte, dich überall zu sehen. in anderen menschen, bärten, brillen, blazern. immer in angst, dir irgendwann gegenüber stehen zu müssen und selbst nach jahren immer noch nicht zu wissen, wie jetzt reagieren. was sagen. wobei ich wahrscheinlich so unfassbar freundlich wäre, wie ich es immer bin. schon allein sicherheitshalber und aus schutz. ich will ja eigentlich nämlich gar nicht, dass du weißt, wie es mir geht. dass mir das immer noch probleme macht. dass du mir immer noch probleme machst. dass es mir wegen dir immer noch manchmal schwer fällt, meinen alltag zu bestreiten. dass es immer noch tage gibt, wie heute – wo mich die begegnung mit einem menschen so sehr aus der fassung bringt. mich so sehr hinterrücks in die kniekehlen tritt, dass ich arbeitsunfähig werde. dass ich danach minutenlang ziellos durch den supermarkt neben dem büro herumlaufe, „du musst dich jetzt wieder beruhigen“ vor mich her murmelnd. einfach, weil ich nicht an dem ort sein kann, an dem gerade wer ist, der mich an dich erinnert.

und warum erzähle ich dir das überhaupt. warum schreibe ich hier, als würde ich es dir erzählen wollen. ich habe keinen blassen schimmer. und ich glaube auch nicht, dass es dich interessieren würde. warum sollte ich es dir auch erzählen. dir erzählen wollen. was hättest du davon? oder ich?

ich glaube nicht, dass all‘ das den mann interessieren würde, den ich 2011 verlassen habe, weil ich ihm nicht mehr vertrauen und nichts mehr mit ihm anfangen konnte. weil er nicht mehr der war, den ich jahre zuvor kennen gelernt und in den ich mich höchst halsüberkopf-artig verliebt hatte. zu dem zeitpunkt war mir ja nicht mal in ansätzen klar, was da passiert war. was du da mit mir gemacht hattest. und wie lang mir das noch nachhängen würde. ja, ich habe auch damals schon sätze gesagt, wie „er hat mich kaputt gemacht“ – aber ich habe nie geahnt, wie kaputt er mich gemacht hatte. und dass das nicht aus versehen passiert war, sondern mit ansteigender vehemenz und einem (vielleicht) unbewussten plan dahinter. das ist mir ja alles viel später erst klar geworden. und vieles davon eröffnet sich mir auch jetzt erst noch.

letzte woche erst hat mir s. von einer situation erzählt, die ich nicht einmal mehr tatsächlich erinnern konnte – die meine ehemalige beziehung aber sehr gut auf den punkt bringt. sie wollte mich abholen. von meiner damaligen arbeitsstelle, bei der er da auch noch arbeitete. und ich bat ihn, ein paar gläser für mich zu spülen, damit s. und ich schneller unsere verabredung antreten konnten. es brauchte nur einen blick und ein „joa“ von ihm und ich hatte laut aussage von s. den rest des abends ein schlechtes gewissen. das ist so ehrlich bezeichnend. es brauchte nur ein wort, einen satz, einen blick oder eine handbewegung und ich wusste, was er von mir „brauchte“ oder wollte. ohne auch nur den hauch von erkennbaren vorschriften wusste ich, was ich anziehen musste, damit er mich ein bisschen mehr mag. ich wusste, was ich sagen, tun, anziehen, worüber ich lachen, weinen oder meckern sollte. ich wusste aber genau so gut, was ich besser unterließ. und das alles, ohne dass ich mich daran erinnere, dass er diese dinge auch nur einmal tatsächlich ausgesprochen hätte.

dass ich jahrelang in einer beziehung war, in der mein eigener wille, meine interessen, meine wünsche, meine träume und meine ziele immer dem unterlagen, was mein partner wollte – das wusste ich doch gar nicht. ich wusste, dass ich immer diejenige war, die warten musste. auf eine sms, einen anruf, eine email, auf ein zeichen – auf ihn, wenn er mal wieder zu spät dran war. dass das alles mir offenbarte, wie wenig ich ihm wert war und dass es immer dazu führte, dass ich mich anstrengte, ihm noch mehr zu gefallen – das war mir bis vor kurzem nie so richtig klar. dass ich wegen ihm freundinnen anlog, weil ich angst hatte, dass sie denken könnten, ich würde zu viel zeit mit ihm verbringen – das schob ich auf sie. dass wir uns vor allem gegen ende über dinge stritten, über die wir uns noch kurz zuvor völlig einig waren – das wunderte mich, aber ich wusste ja nicht mal, dass es gaslighting überhaupt gibt. dass er es immer wieder schaffte, sich zum opfer zu machen – weil er so schrecklich viel arbeiten musste, seine eltern ihm so viel stress machten, seine depressionen dazwischen kamen – verstand ich nicht. ich wollte ihn nur glücklich machen. dass währenddessen meine eigenen depressionen völlig neue dimensionen annahmen, das bekam ich nicht mal mit.

mein ganzes leben hatte sich um ihn verwachsen. ich saß tagelang zuhause, wartete auf nachrichten und anrufe und darauf, dass er mir endlich seine liebe so gestehen würde, wie ich es mir wünschte. ich wartete jahrelang auf das happy-end und dachte immer, ich müsste mich nur noch ein ganz kleines bisschen mehr anstrengen, dafür. dass ich ihm mein herz und mein leben auf einem silbertablett auf knien servierte und bettelte, das er diese gabe doch endlich annehmen würde – das erschien mir als ganz normal. um die liebe muss mensch halt kämpfen! die liebe wartet auf der anderen seite der burgmauer. für die liebe musst du erstmal durch dornenwälder! das tut halt manchmal weh. da braucht es halt geduld. all‘ das hatte ich mein ganzes leben lang so gelernt. dass ich die einzige war, die da kämpfte – das versteckte er gut hinter phrasen, winzigen gesten, die ich wie weltmeister-titel feierte und hinter seiner „harten schale“. dass ich außerdem gar keine beziehung will, in der es für mich primär darum geht, mir liebe zu „erkämpfen“ – das begriff ich erst viel später.

als er mich schließlich betrog, fand ich (mit seiner hilfe) auch dafür entschuldigungen. und das, obwohl ich zu dem zeitpunkt noch dachte: das ist das schlimmste, was er dir hätte antun können. dass die tausend anderen, vermeintlichen „kleinigkeiten“ mich jahre später noch viel schlimmer verfolgen würden, als dieser vertrauensbruch – von der erkenntnis war ich noch weit entfernt. (zum teufel – ich habe während der ganzen zeit einen blog geführt, der diese beziehung in ungeahnte höhen verherrlichte!) aber dieser vertrauensbruch hat es mir dann, nach noch einiger zeit der verarbeitung, schließlich doch möglich gemacht, mich abzukoppeln. loszulassen. mir einzugestehen, dass es „eben nicht sein sollte“. es brauchte aber einen unendlich langen trauer-prozess und es braucht einen noch immer währenden verarbeitungs-prozess um das alles irgendwie hinter mich bringen zu können. wieder vertrauen zu schöpfen – in mich und die menschen um mich herum.

ich stoße immer wieder an meine eigenen grenzen – ecken und kanten, die ich noch nicht abgeschliffen habe, bei der verarbeitung des ganzen. und das macht mich fertig. es tut unendlich weh, immer wieder. und ich ärgere mich darüber, dass ich mich immer wieder damit beschäftige(n muss), ihm immer noch so viel platz in meinem leben eingestehe – einfach weil ich merke, dass es gar nicht anders geht. weil das alles ein teil von mir und meiner geschichte ist. weil ich es immer noch nicht ganz durchschaut habe. weil da immer mal wieder etwas dazu kommt, das mich noch schockiert zurück lässt. weil ich so etwas niemals wieder erleben will. und weil ich halt auch immer noch angst habe, dein gesicht irgendwo in der menge zu entdecken. oder halt in meinem büro.

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